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Zofinger Tagblatt

 

Stimme mit Hühnerhautpotenzial
JÖRG LÜSCHER

Die Sopranistin Marianne Hofer wagt den Sprung an die Öffentlichkeit
Die Sopranistin Marianne Hofer aus Schöftland will mit ihrer Musik die Herzen der Menschen berühren. Im August erscheint ihre neue CD mit einem Querschnitt durch die klassische Musik.

 

«Wenn sie singt, bekomme ich Hühnerhaut» – es gibt einige Menschen, die das sagen, und sie alle meinen Marianne Hofer, jene Sopranistin aus Schöftland, die einen Hauch von internationaler Klasse aufs Dorf bringt. Eine Aussage, die nicht von ihr, sondern von anderen stammt. Der Mensch Marianne Hofer würde sich selber niemals derart unbescheiden in Szene setzen. Und die Sängerin, die qualitativ unbestritten höchsten Ansprüchen genügt, tuts nicht. Ganz einfach, weil für sie die Musik der Star ist: «Ich fühle mich nur als Medium, das diese schöne Kunst vermitteln darf.» Wenn Marianne Hofer dies ausspricht, verbeugt sie sich in respektvoller Demut vor der Musik, die seit frühester Kindheit ihre Seele wärmt.

Musik in den Genen
Ab 5 hat sie Klavierunterricht genommen, seit dem 15. Lebensjahr widmet sich die heute 40-jährige Zürcherin dem Gesang. Marianne Hofer studierte bei den Besten, absolvierte eine internationale Gesangsausbildung in Wien, Amerika und Zürich. Ihre Vorliebe gehört Mozart, die Arie Königin der Nacht aus der Zauberflöte singt sie hell, ausdrucksstark, rein wie ein Bergkristall. Der Applaus auf grossen Bühnen wäre ihr sicher. Dennoch hat sie sich für einen anderen Karriereverlauf entschieden, zum Vorteil all jener Menschen, die ebenfalls Freude am Gesang, an diesem fantastischen Instrument «Stimme» haben.

Seit 20 Jahren ist Marianne Hofer als Gesangspädagogin mit eigener Musikschule in Schöftland tätig. Ihr Angebot, zu dem privater Gesangsunterricht, Stimmbildung, Ensemblearbeit oder Gesangsworkshops zählen, richtet sich längst nicht nur an Liebhaber der Oper und Operette. «Die klassische Gesangsausbildung kann in allen Stilrichtungen angewandt werden», erklärt die Musikerin.

Wer lehrt, lernt auch immer, wird besser. – Marianne Hofer sagt, ihre Stimme sei reifer, bestimmter und gleichzeitig wärmer geworden. Vertrauter auch, so wie eine gute Freundin, «die mich immer begleitet». Ein schönes Kompliment, das sich die Sopranistin selber gibt, geben darf. Früher hätte sie das nicht gemacht, früher galt ihre Aufmerksamkeit alleine den Schülerinnen und Schülern, ihre eigene Eitelkeit stellte Marianne Hofer hintenan. Nur bei Auftritten mit dem von ihr gegründeten Chor «Cantanti Allegro» (1999 – 2006) funktionierte das nicht. Ihre Stimme ist ganz einfach überragend: mal verspielt wie ein Delphin, der an der Seite des choralen Schiffes aus den Klangwellen hüpft, mal wie eine Schneedecke, die erhaben schwer und dennoch friedlich alles unter sich bedeckt.

Nein, auch das sagt nicht sie, sondern eben die mit der Hühnerhaut. «Mein Umfeld reagiert auf meine Performance, pusht mich förmlich dazu, an die Öffentlichkeit zu gehen, verrät die Künstlerlin, die heute bereit ist, den Fokus vermehrt auf sich selber zu richten. Sie tut dies in einem ersten Schritt mit der Produktion einer CD, die im August auf dem Markt erscheinen wird. Das Repertoire ist so gewählt, dass das gesamte Spektrum ihrer Stimme zur Geltung kommt.

Dann in einer weiteren Phase will Marianne Hofer für Engagements – ob im öffentlichen Raum oder an Firmenanlässen –, mehr Zeit und Energie aufwenden als in der Vergangenheit. Von grossen Häusern wie der Mailänder Skala oder der Wiener Oper träumt die Schöftlerin dabei natürlich nicht. «Es gibt ja auch etwas zwischen meinen Schulräumlichkeiten und den Brettern, die die Welt bedeuten», lacht die Pädagogin und freut sich jetzt schon auf das neu entdeckte Leben als Künstlerin.

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